„Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd …“

Apr 25, 2014
ella.beaucamp

„Turm der blauen Pferde – jetzt entdeckt“ lautete die spektakuläre Meldung des Art Magazins vor 13 Jahren. Angeblich wurde das berühmte verschollene Hauptwerk des Expressionismus in einem Banksafe unter der Zürcher Bahnhofstraße gefunden.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gemälde von Ludwig Justi für die Berliner Nationalgalerie erworben. Im Jahre 1937 wurde es von den Nationalsozialisten in die Ausstellung „Entartete Kunst“ verfrachtet. Von dort gelangte es in die Kunstsammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring. Nach der Deutschen Kapitulation wurde es zuletzt von einem amerikanischen Verbindungsoffizier im Konferenzsaal des Reichsluftfahrministeriums fotografiert.

Franz Marc, Der Turm der blauen Pferde, 1913. Ehemals Berlin, Nationalgalerie, seit 1945 verschollen

Franz Marc, Der Turm der blauen Pferde, 1913. Ehemals Berlin, Nationalgalerie, seit 1945 verschollen

Doch auch die jüngsten Hoffnungen entpuppten sich bald als bloße Vermutung: Die Meldung der Art Zeitung berief sich auf die „scherzhafte Spekulation“ des langjährigen Expressionismus Sammlers und Franz-Marc-Stiftungs-Mitglied Jan Ahlers.

Schon der einstige Nachlassverwalter und Biograf Franz Marcs, der Kunsthistoriker Klaus Lankheit, erklärte Der Turm der Blauen Pferde in seinem 1976 publizierten Standardwerk “Franz Marc. Sein Leben und seine Kunst” für unauffindbar. Was ihn nicht davon abhielt, eine hingebungsvolle Beschreibung des Bildes auf Basis einer guten Reproduktion zu formulieren:

Das berühmteste Bild des Künstlers (…) eine Leinwand von 2 Meter Höhe und 1,30 Meter Breite schlägt uns in ihren Bann. Wir werden mit macht an das Bild herangetrieben, schon im selben Augenblick aber zu achtungsvoller Distanz gezwungen. (…)

Eine weitere Eigenschaft der Farbe ist ihre selbstleuchtende Intensität (…). Der aus den Tieren erbaute ‚Turm‘ scheint vielmehr von innen heraus zu strahlen, als sei er erfüllt von innerem Glühen.

Klaus Lankheit, Franz Marc, Sein Leben und seine Kunst, Köln 1976, S. 120